Happycure Rat:

Hüte dich vor den Verführungen der Irrationalität (Religion, Esoterik, Metaphysik).

Enttäuschungen beruhen auf unbegründeten Erwartungen. Bleibe daher immer auf dem Boden der Realität. Versuche immer, die Wirklichkeit zu ergründen und Illusionen aufzulösen.

 

Es ist unbestritten, dass die meisten Menschen eine Neigung zur Religiosität haben. Gläubige Menschen können im Schnitt glücklicher sein als Atheisten und erfreuten sich, manchen Untersuchungen zufolge, sogar einer etwas höheren Lebenserwartung. Warum sollte ich also vor den Gefahren einer Religion warnen?

 

Jede Art von Irrationalität kann zunächst etwas Tröstliches haben, gerade weil sie uns von der Realität ablenkt. Aber auf längere Sicht hilft uns nur, wenn wir die Realität so gut wie möglich erkennen und entsprechend reagieren. Realität ist, dass in unzähligen Fällen kein Gott verhindert hat, dass durch Kriege und andere Katastrophen unzählige Unschuldige leiden müssen und manche ihr Leben vorzeitig verlieren. Mit anderen Worten, wir sollten uns lieber nicht auf einen Gott oder eine andere übernatürliche Kraft verlassen, die wir durch Beschwörungen (z.B. beten) veranlassen wollen, uns zu helfen. Beten kann dennoch helfen, aber wahrscheinlich nur, indem es die eigenen Kräfte fördert und auf das Ziel hin lenkt. Ob es Wunder geben kann, ist natürlich auch umstritten. Als ein Wunder könnte uns etwas erscheinen, das zwar möglich ist, aber extrem unwahrscheinlich. Trotzdem kann es sich in diesem Fall um reinen Zufall handeln. Wunder können auch Erscheinungen sein, die wir mit den augenblicklich bekannten Naturgesetzen nicht erklären können, in einem solchen Fall kann man nie ausschließen, dass es natürliche Ursachen gibt, die wir nur noch nicht kennen.

Trotzdem kann man sich durchaus den Spruch akzeptieren: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“ Für mich heißt das nichts anderes, als dass immer wieder Unvorhergesehenes passiert.

 

Ich warne nicht vor dem Beten, sondern nur davor es naiv zu gebrauchen. Auch traditionelle religiöse Zeremonien und Feste gehören zu unserer Kultur und bereichern das Leben, wie die eigentlich nicht nützliche Kunst, die auch eine irrationale Wurzel hat. Es gibt nichts gegen Zeremonien zu sagen, so lange sie uns Freude machen und wir freiwillig daran teilnehmen.

 

Besonders kritisch sind die sturen, irrationalen Alltagsregeln verschiedener Religionen zu betrachten. Dazu gehören die unterschiedlichsten Tabus und persönliche Eingriffe (Kleidungsvorschriften, Speisegebote, körperliche Verstümmelungen und masochistische und sadistische Praktiken).

Zu den Irrationalitäten gehört auch der Aberglaube, der unser Verhalten aufgrund von vollkommen irrelevanten Indizien beeinflusst. Wenn sich jemand schon vor Sorgen fürchtet, wenn er eine Spinne am Morgen gesehen hat, ist genauso irregeleitet als der, der eine Spinne am Mittag für ein günstiges Zeichen für Glück am dritten Tag hält.

 

Die Verführungen der Esoterik sind Legion und beeinflussen das Verhalten immer in nicht angebrachter Weise. Natürlich kann ein günstiges Horoskop dazu führen, dass sich ein Schüchterner endlich seiner Angebeteten erklärt. Wenn er erhört wird, haben die Sterne recht behalten, wenn nicht, hat er eben Pech gehabt. Wahrscheinlich hätte ihm aber ein guter Ratgeber für Partnerschaft insgesamt mehr genützt und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöht.

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