Das Besondere an einem intensiven Erlebnis ist, dass es uns ganz gefangen nimmt.
Wir vergessen alles andere. Eine besondere Form eines solchen Erlebniszustands ist
„Flow“1. Solche als besonders glücklich empfundene Flow-
O Wir sind der Aktivität gewachsen, aber sie unterfordert uns auch nicht.
O Wir sind fähig, uns auf unser Tun zu konzentrieren.
O Die Aktivität hat Ziele mit denen wir uns identifizieren.
O Die Aktivität vermittelt unmittelbare Rückmeldung darüber, inwieweit unsere Tätigkeit zum Ziel führt.
O Wir haben das Gefühl von Kontrolle über unsere Aktivität.
Leider treffen alle diese Bedingungen selten zusammen zu, daher tritt das Flow-
Leichter ist es, nur einen Teil dieser Bedingungen zu erfüllen, was auch schon zu einem gesteigerten Lebensgefühl führen kann. Am wichtigsten ist es, die Fähigkeit zu erlernen, in jeder Situation so präsent wie möglich zu sein.
Ein möglicher Weg, diese Fähigkeit zu erlernen, führt über das Bewusstmachen:
O Dass jede Situation, in die wir geraten, einmalig ist und sich nie wiederholen wird. Dadurch wird das Erlebnis für uns wertvoll, auch wenn es noch so banal erscheint. Auch wenn wir etwas scheinbar schon hundertmal gemacht haben, so ist es doch dieses Mal etwas anders. Achten wir auf das Besondere.
O Dass jede Tätigkeit nicht nur ein äußeres Ziel hat, sondern uns auch eine Gelegenheit zum Lernen und damit zum Wachsen bietet. Wir können jede Tätigkeit noch besser ausführen, denn Perfektion gibt es nicht. Wir können etwas immer noch besser (schneller, leichter, beschwingter, schöner, anmutiger…) machen. Wenn wir uns so bemühen, wird jede banale Tätigkeit zur Übung. Wir können auf diese Weise dem Alltag viele kleine, aber doch sehr angenehme Erfolgserlebnisse abgewinnen.
O Dass die Vergangenheit endgültig vergangen ist und da wir keine Wiederkäuer sind, bringt es auch nichts, sie immer wieder zu kauen. Wir sollten aus jedem Erlebnis eine Lehre für unser künftiges Tun ableiten und das Erlebnis selbst dann zu den Akten legen. Was bleiben soll, ist die positive oder negative Lehre aus dem Erlebnis.
O Dass die Zukunft, wie wir sie sehen und erwarten, eine reine Konstruktion unseres Gehirns ist, wird uns meistens nicht bewusst. Wir verbinden unsere konstruierten, virtuellen Bilder mit Gefühlen, sie machen uns Angst oder machen uns glücklich. Im ersteren Fall leiden wir sofort, im letzterem Fall sind wir später von der Realität enttäuscht. Unsere Vorstellung von der Zukunft ist aber reine Prognose und viel unsicherer als die Wettervorhersage, weil unser Leben noch von viel mehr unbekannten Faktoren beeinflusst wird als das Wetter.
Für die Zukunft gilt in der Regel: „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“. Also macht es wenig Sinn, sich um die Zukunft Sorgen zu machen, denn wir haben auch nur beschränkt sichere Möglichkeiten für die Zukunft vor zu sorgen. – D.h. nicht, dass wir nur in den Tag hineinleben sollen, aber wir sollen auch nicht glauben, dass wir die Risiken der Zukunft beseitigen können. Wir tun am meisten für unsere Zukunft, wenn wir die Gegenwart nicht ungenützt verstreichen lassen.
O Was zählt ist die Gegenwart. Diese ist kein zeitloser Moment, sondern eine kleine Spanne unseres Lebens, in der sich Werden und Vergehen abspielt. Durchleben wir die Gegenwart, wie sie sich von Augenblick zu Augenblick entwickelt!
Erfüllte Zeit ist erfülltes Leben
Die wichtigste persönliche Technik, um ein erfülltes Leben zu haben, ist also die Gewohnheit, sich voll und ganz dem zu widmen, was im Augenblick läuft. Wenn wir mit allen Sinnen voll und ganz bei der Sache sind, dann sind wir, wie manche Esoteriker es bezeichnen „voll wach“. Sie nennen die normale Weise zu leben einen Wachschlaf. Das gewöhnliche Leben ist für sie eher ein Dahindämmern. Erst wenn wir uns aus diesem Dämmerzustand reissen, wird das Leben interessant. Dann lohnt sich jede Minute. Wir fühlen uns selbst und wir spüren die Welt in ihrer ganzen, wunderbaren Vielgestaltigkeit. Nichts in der Welt ist banal oder trivial. Nur unsere gelangweilte Haltung macht das Leben langweilig.
Die wichtigste Lebenstechnik ist daher der „way of dedication“, wobei „dedication“ nicht einfach mit Hingebung übersetzt werden sollte, denn dieses deutsche Wort impliziert zu viel Passivität und emotionale Inbrunst. Natürlich kennen wir im Alltag kaum andere Beispiele für solche erfüllte Augenblicke, als eben solche, die mit starken, ja inbrünstigen Gefühlen verbunden sind. Dazu gehört das sexuelle Erleben. Aber völlige Hingabe an eine andere Tätigkeit, beispielsweise an eine Arbeit, hat eine andere Qualität. Sie ist etwas weniger mit starken Gefühlen, aber dafür umso stärker mit einer durchdringende Schau oder Erkenntnis verbunden. Natürlich werden auch diese Erlebnisse von Gefühlen begleitet . Nur handelt es sich um eine andere Art von Gefühlen. Kommt noch körperliche Aktivität hinzu, wird das Erleben in jedem Fall noch intensiver. Alle anderen Sinne sind ebenfalls voll wach. Dann spielt auch noch das verstärkte Körpergefühl eine verstärkende Rolle.
Diesen Zustand maximaler Wachheit gilt es zu erreichen. In einem solchen Erlebniszustand schärft sich unsere Aufmerksamkeit gleichermaßen für die Einzelheiten wie für das Gesamtbild. Und wir können es erreichen, dass unser ganzer Tagesablauf eine Kette solch intensiver Erlebnisse wird, auch wenn einem Außenstehenden diese Erlebnisse als gar nichts Besonderes erscheinen. Es kommt überhaupt nicht auf das äußere Erscheinungsbild einer Sache, eines Wesens oder eines Vorgangs an. Ein unförmiger Kieselstein enthält einen Kosmos in sich, erst recht jede alltägliche Handlung, oder gar eine Begegnung mit einem Menschen. Werden wir uns doch klar, dass jede Situation in unserem Leben einmalig und unwiederholbar ist. Daher ist sie ungeheuer wertvoll.
Wenn auch die Gefühle beim alltäglichen Flow-
Am einfachsten ist die Sinnsuche, wenn wir immer davon ausgehen, dass alles was geschieht, einen Sinn hat. Gerade die Suche nach dem Sinn, des zunächst als sinnlos Empfundenen ist die fruchtbarste Formung unseres Weltbilds. Dabei ist es unerheblich, ob das Ereignis auch durch einen reinen Zufall zu erklären ist. Das Konzept des Zufalls und die Anwendung statistischer Gesetze ist unumgänglich, wenn wir Wirklichkeit objektiv, d.h. auch für andere nachvollziehbar, beschreiben. Die so gefilterte Wirklichkeit ist allgemein. Etwas ganz Anderes ist dagegen die Subjektive Wirklichkeit. Subjektiv ist der Aspekt, der direkt auf uns bezogen ist. Wenn jemand auf einer Bananenschale ausrutscht und sich ein Bein bricht, so ist das objektiv ein Fall, der jedem zustoßen kann und dessen Häufigkeit versicherungsmathematisch berechnet werden kann. Was ein solcher Beinbruch aber im Leben des
Betroffenen bewirkt, hängt ganz vom betroffenen Individuum und seiner Lebenssituation zusammen. Dieses Ereignis wir zu einer bedeutenden Etappe in seinem Leben. Es kann für ihn ein Unglück sein oder es kann ihm zum Segen werden. Damit ein Segen daraus wachsen kann, müssen wir alles, was uns widerfährt positiv in unser Leben einordnen und es als Baustein für unsere Zukunft betrachten. Das kann man immer, es sei denn, das Ereignis führt unmittelbar zum Tod. Ein solcher Unglücksfall kann natürlich auch Sinn haben, beispielsweise kann er uns Leiden ersparen, oder er kann bei den Hinterbliebenen positive Wirkungen auslösen. Wir brauchen uns mit diesem Fall aber nicht befassen, weil wir in einem solchen Fall keine persönlichen Konsequenzen mehr ziehen können.